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Interview mit Faculty Advisor Samantha Ruppel

Samantha RuppelSamantha Ruppel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität Frankfurt, Fachbereich Gesellschaftswissenschaften – Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Institutionen und Friedensprozesse. Sie betreut als Faculty Advisor die Delegation für das National Model United Nations 2017.

 

 

 

Liebe Frau Ruppel, Sie haben selber Erfahrungen als Delegierte bei NMUN. Wie oft haben Sie teilgenommen und wie sind Sie dazu gekommen?

Ich habe an der Goethe-Universität in Frankfurt studiert und bin dort zum ersten Mal auf das MainMUN aufmerksam geworden. Dort habe ich mich in einer studentischen Gruppe engagiert, mit der wir gemeinsam eine UN-Simulation in Frankfurt organisiert haben. Danach hat mich das MUN-Fieber gepackt und ich habe mehrmals in New York an der Simulation teilgenommen. Dort habe ich beispielsweise Venezuela und Uganda vertreten.

 

Was ist Ihnen von Ihrer Teilnahme am meisten in Erinnerung geblieben?

Das sind ganz verschiedene Dinge. Zum einen ist es die tolle Gruppendynamik der Delegation, mit denen ich in New York war, aber auch die vielen anderen Kontakte, die ich während der Konferenz geknüpft habe. Außerdem sind mir die Botschaftsbesuche sehr in Erinnerung geblieben: Hier waren immer alle Diplomaten sehr bemüht, unserer Delegation den letzten Feinschliff zu verpassen. Besonders wenn man den Vergleich hat, wie unterschiedlich – aber immer engagiert – die Diplomaten über ihren Staat und die UN-Politik sprechen, wird noch mal deutlich, wie spannend und vielfältig die internationale Politik ist. Ein absolutes Highlight ist jedes Mal der Besuch des UN-Gebäudes. Hier findet am letzten Tag der Konferenz in der General Assembly eine große Abschlusssitzung statt.

 

Wie kann man sich die Tätigkeiten der Delegierten während einer UN-Simulation vorstellen?

Die Simulation ist der Höhepunkt der Delegierten, denn bereits vorher wurde viel Arbeit investiert. Auf der Konferenz selber geht es so realistisch wie möglich zu. Eine der wichtigsten Aufgaben ist es dabei, in character zu bleiben, also nicht die Position des zu vertretenden Landes mit seiner eigenen Meinung zu vermischen. Dann heißt es Reden halten, den anderen Delegierten zuhören und Kooperationspartner finden. Danach kann dann das Schreiben der Resolutionen beginnen. Generell wird es viel Arbeit und wenig Freizeit geben. Die Tage sind eng getaktet, beginnen oft schon um 8 Uhr morgens und enden gegen 23 Uhr mit einer Besprechung der Delegation. Tagsüber versuchen die Studierenden, in informellen Debatten ihre Argumente und Ziele durchzusetzen und führen offizielle Verhandlungen. Nach dem offiziellen Ende setzten wir uns noch für eine „de-briefing session“ zusammen, um die Erfahrungen zu besprechen, den Tag auszuwerten und Verhandlungsstrategien zu entwickeln.

 

Sie sprachen davon, dass bereits viel Arbeit vor der Konferenz stattfindet. Wie genau sieht diese Arbeit aus?

Zunächst lernen die Studierenden in einem Seminar die Grundlagen der Vereinten Nationen kennen. In einem nächsten Schritt setzen sich die Studierenden, welche dann zu Delegierten werden, mit den Regeln und Konventionen der UN auseinander. Dabei müssen zum Beispiel die sogenannten „Rules of Procedure“ kennengelernt werden, nach welchen es sich in den Verhandlungen zu verhalten gilt und natürlich muss auch eine inhaltliche Vorbereitung auf das zu vertretende Land stattfinden. Dazu werden „Position Papers“ geschrieben, welche die zentralen Positionen des Landes darstellen und allen Teilnehmenden in New York zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich sind die Studierenden in der Vorbereitung noch in die Öffentlichkeitsarbeit und das Fundraising für das Projekt involviert und führen dies in Selbstorganisation durch. Dies alles bedeutet einen hohen Arbeitsaufwand, welcher ein hohes Durchhaltevermögen der Studierenden erfordert. Deswegen sind das Gruppenklima und eine gute Zusammenarbeit besonders wichtig.

 

Was würden Sie sagen sind die wichtigsten Lernerfolge bei der Teilnahme an NMUN?

Ein so komplex angelegtes Planspiel bietet zahlreiche Lernerfolge für die Studierenden. Zum einen kommen sie den weltpolitischen Problemen und Prozessen sehr viel näher als im normalen universitären Alltag und gleichzeitig wird das im Seminar erworbene Wissen praxisnah angewendet. Ein ganz wichtiger Punkt, insbesondere auch im Vorbereitungsprozess, ist die Entwicklung von soft-skills, wie zum Beispiel Präsentieren, Argumentieren und Rhetorik. Da die Konferenz und die Vorbereitungsphase auf Englisch stattfinden, werden die Studierenden zusätzlich in einer Fremdsprache sicherer. Auch das eigenverantwortliche und selbstorganisierte Arbeiten, insbesondere bei der Vorbereitung auf NMUN, fördert die Studierenden in ihrer Handlungs- und Planungsfähigkeit. Da die Konferenz interkulturell besetzt ist, steht in der Zeit in New York auch das interkulturelle Lernen im Vordergrund. Das Projekt bietet also Möglichkeiten, Dinge zu lernen, die im normalen Uni-Alltag zu kurz kommen.